VDMFK - Vereinigung der Mund- und Fussmalenden
Künstler in aller Welt, e. V.

Gründungsversammlung im März 1957

Am 19. und 20. März 1957 trafen sich 16 Mund- und Fußmaler aus verschiedenen europäischen Ländern in Vaduz, der Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein, um die Gründungsversammlung der Vereinigung der mund- und fussmalenden Künstler abzuhalten. Initiator dieser Gründung war Arnulf Erich Stegmann aus Deutschland. Er war es, der die Idee zur Gründung einer solchen Vereinigung hatte und in Eigenregie Mund- und Fußmaler suchte, welche diesem Vorhaben positiv gegenüberstehen und somit Gründungsmitglied werden wollten. Insgesamt konnte er 18 Künstler finden, welche bereit waren, der Vereinigung beizutreten. Sein Ziel und Lebenswerk erreichte er an jenen beiden Frühlingstagen, als sich 16 der 18 Mitglieder im Waldhotel oberhalb von Vaduz einfanden, um die offizielle Gründung der VDMFK zu vollziehen. Es war die Geburtsstunde einer über 50-jährigen Erfolgsgeschichte.

Im Rahmen der Gründungsversammlung ging Arnulf Erich Stegmann im Rahmen einer Ansprache auf sein Vorhaben ein. Hierbei betonte er: „Im Jahre 1947, also vor genau 10 Jahren, fasste ich den Entschluss, in Zukunft mit allen Kolleginnen und Kollegen, die ebenso wie ich mit dem Munde oder Fuss Kunstwerke schaffen, zusammenzuarbeiten, falls diese Kolleginnen und Kollegen dazu bereit seien. [...] Warum? In dieser Welt, in der wir heute leben, die auch oft den Körperbehinderten so feindlich gegenübersteht, bietet eine solche Vereinigung eine grosse Möglichkeit zur leichteren Überwindung von Schwierigkeiten, sei es auf dem Gebiete der Kunst oder des Lebens überhaupt. Es ist einfach traurig und absurd, dass ein schwer körperbehinderter Künstler oder Künstlerin (wie es hier mehrmals unter Beweis gestellt wird), trotzdem sie in ihrem Schaffen Hohes und Höchstes erreicht haben, nicht sagen und popularisieren dürfen, dass diese Werke nicht auf normale Weise geschaffen wurden, sondern mit dem Mund oder Fuss als Handersatz entstanden sind. [...] Für uns bedeutet doch die Arbeit, das künstlerische Schaffen, den Schlüssel zur Freiheit. Darum habe ich im Herbst 1947 den deutschen Künstler Bruno Schmitz-Hochburg aufgefordert, mit mir gemeinsam zu arbeiten. Dann kam 1952 der österreichische Mund- und Fußmaler Erich Macho; nun waren wir ein dreiblättriges Kleeblatt. Als ich erfuhr, dass am Genfersee der Schweizer Fußmaler Charles Pasche lebt, besuchte ich ihn, und unser Kleeblatt war vierblättrig. Später dann fuhr ich nach Holland und wir verbanden uns mit Fräulein Corry F. Riet und Fräulein Riek de Vos. In Schweden besuchte ich Herrn Henry Ullberg, der für immer ans Bett gefesselt ist; er war gerne bereit mit uns zusammenzuarbeiten. In Frankreich fanden sich Madeleine Jars, Geneviève Barbedienne und Marie-Louise Tovae, in Belgien Eugène Pirard, dann weiter in Schweden noch Elof Lundberg und Sune Fick, in Deutschland Irene Schricker und Cefischer (Carl Fischer) und nochmals aus Belgien de Munter und aus Schweden Evi Thor, in Norwegen Rolf Thomassen.“

Die Tagesordnung an jenem 20. März 1957 bestand aus acht Traktanden. Zu diesen gehörten auch die Wahlen in den Vorstand. Nachdem Präsident Arnulf Erich Stegmann dargelegt hat, dass er nicht zur Wahl stehe, da er als Gründer und Initiant der VDMFK dieses Amt auf Lebzeiten ausführen könne und auch Rechtskonsulent Dr. Dr. Herbert Batliner nicht gewählt werden müsse, galt es, noch zwei weitere Vorstandsmitglieder zu finden. Auf Vorschlag von Präsident Arnulf Erich Stegmann stellten sich die beiden Künstler Corry F. Riet, Mundmalerin aus den Niederlanden, und Charles Pasche, Fußmaler aus der Schweiz, zur Wahl. Beide wurden mit sehr guten Ergebnissen in den Vorstand gewählt.

Ein Meilenstein in Bezug auf die Offenheit der VDMFK wurde an diesem Tag ebenfalls vollzogen. Auf Antrag von Rechtskonsulent Dr. Dr. Herbert Batliner wurde einstimmig folgender Absatz in die Statuten eingefügt: „Die VDMFK nimmt in religiöser, weltanschaulicher und politischer Richtung eine neutrale Stellung ein. Eine Bevorzugung oder Benachteiligung auf Grund der religiösen, weltanschaulichen und politischen Stellung eines Mitgliedes ist daher unstatthaft.“ Mit diesem Passus öffnete sich die Vereinigung auch formell für alle Kulturen, und er ist kennzeichnend für die große Offenheit und hohe Achtung den behinderten Künstlern gegenüber, unabhängig aus welchem Erdteil und welchem Kulturkreis ein Mund- oder Fußmaler stammt.

Paris 1958: 2. Generalversammlung

Bereits etwas mehr als ein Jahr später traf sich die VDMFK-Familie in Paris zur zweiten Generalversammlung. Der Stand an Mitgliedern betrug zu diesem Zeitpunkt bereits 21. Weiteren 12 jungen Künstlern wurde ein Stipendium gewährt. 20 Mund- und Fußmaler aus 16 Ländern nahmen die Reise in die Hauptstadt Frankreichs auf sich, um bei dieser Generalversammlung vom 6. bis 8. Mai 1958 teilzunehmen.

1959 Edinburgh: 3. Generalversammlung

Auf Einladung des Verlages in Grossbritannien trafen sich die Mund- und Fußmaler in Edinburgh, um die 3. Generalversammlung abzuhalten. Diese war überschattet vom Tode des Vorstandsmitgliedes Corry F. Riet, welche im November 1958, nur sechs Monate nach ihrer Wiederwahl in den Vorstand, verstarb. Das Ableben von Corry F. Riet führte dazu, dass die Mitglieder der Vereinigung den vakanten Sitz im Vorstand neu besetzen mussten. Hierbei wählten die Delegierten die Fußmalerin und spätere Präsidentin Frau Marlyse Tovae aus der Schweiz in den Vorstand. Somit setzte sich der Vorstand der Vereinigung nach der Generalversammlung in Edinburgh folgendermaßen zusammen: Arnulf Erich Stegmann, Präsident, Charles Pasche, Marlyse Tovae und Rechtskonsulent Dr. Dr. Herbert Batliner.

1961: 4. Generalversammlung in Wien

20 von 24 Mitgliedern versammelten sich am 4. und 5. Juni 1961 in Wien, um bei der 4. Generalversammlung der Vereinigung beizuwohnen. Hierbei wurde deutlich, dass die Vereinigung an den Grenzen Europas nicht Halt machen wird. Mit dem Australier Athol Thompson wurde zum ersten Mal ein Künstler als Mitglied aufgenommen, der nicht in Europa wohnhaft ist. Darüber hinaus wurde auch die Liste der von der Vereinigung unterstützen Stipendiaten immer länger und internationaler. Mit der Unterstützung einer Künstlerin aus Südafrika und eines Künstlers aus Argentinien war die VDMFK ab 1961 bereits auf vier Kontinenten vertreten. Die wachsende Internationalität machte sich auch dadurch deutlich, dass bereits im Oktober 1960 erstmals eine Ausstellung außerhalb Europas stattfand. Diese wurde in Johannesburg, Südafrikas, durchgeführt und veranlasste mehrere Medien, über die Vereinigung zu berichten. Bei der Generalversammlung in Wien wurden zudem zwei Neuerungen wirksam. Zum einen trafen sich die Mitglieder zum ersten Mal im zwei Jahres Rhythmus und zum anderen waren erstmals keine Wahlen in den Vorstand nötig, da die Generalversammlung zwei Jahre zuvor die Mandatsperiode auf vier Jahre erhöhte.

Madrid 1963: 5. Generalversammlung

Der 5. Generalversammlung von 1963 in Madrid gebührt einen besonderen Stellenwert in der Geschichte der Vereinigung. Anlässlich dieses Treffens wurden die Statuten der VDMFK einer grundlegenden Revision unterzogen, welche von den anwesenden Mitgliedern einstimmig gutgeheissen wurde. Diese Neufassung der Statuten wurde notwendig, da die Anzahl an Mitgliedern und Stipendiaten ständig wuchs und sich ab 1963 auf alle Kontinente verteilten. Denn: Ab dieser Generalversammlung war die Vereinigung mit 54 Vollmitgliedern und Stipendiaten in 22 Ländern vertreten.

Präsident Arnulf Erich Stegmann begründete die Statutenänderung in seinem Jahresbericht mit den Worten: „Da wir nun eine Reihe von Mitgliedern nicht nur in Europa sondern in Amerika, Australien und Asien haben, müssen wir Beschlüsse fassen, die den realen Gegebenheiten entsprechen. Wir hoffen, dass sich die finanzielle Basis unserer Vereinigung weiter festigt, denn eine Reihe von jungen Künstlern, die zur Zeit Kunstschulen und Akademien besuchen und absolvieren, müssen dann Vollmitglieder unserer Vereinigung werden.“ Des Weiteren führte der Präsident gemäss Protokoll hierzu aus: „Durch die Aufnahme von immer mehr dem nicht-europäischen Raum angehörenden Künstlern in die Vereinigung, ist es auch notwendig geworden, eine Änderung betreffend der Generalversammlung herbeizuführen.“ Konkret bedeutete dies, dass die anwesenden Mitglieder mit der Aufnahme des Delegierten-Konvents in die Statuten der Erweiterung der Organe der VDMFK zustimmten. Mehr noch: Der Delegierten-Konvent war ab diesem Zeitpunkt oberstes Organ der Vereinigung und setzte sich aus Vertretern von drei Wahlkreisen zusammen. Dies waren a.) Europa und Afrika, b.) sämtliche süd-, mittel- und nordamerikanische Staaten und c.) übrige Welt, wie es in den Statuten definiert wurde. Pro sieben Mitglieder konnte ein Wahlkreis ein Mitglied an den Delegierten-Konvent entsenden.

Die Aufgaben, welche dem Delegierten-Konvent übertragen wurden, waren vielfältig. Hierzu gehörten unter anderem die Wahl des Vorstandes und die Beschlussfassung über Statutenänderungen. Die Vollversammlung war auch weiterhin ein Organ der VDMFK und sie versteht sich als Versammlung sämtlicher Mitglieder. Sie sollte über Beschluss des Delegiertenkonvents fallweise zusammentreten. Ihr wurden dieselben Kompetenzen und Aufgaben übertragen „wie dem Delegierten-Konvent, jedoch mit Ausnahme von Wahlen“, wie es in den Statuten von 1963 nachzulesen ist. Des Weiteren wurde in den Statuten festgeschrieben, dass der Präsident und Initiator der Vereinigung, Arnulf Erich Stegmann, von der Gründungsversammlung auf Lebenszeit gewählt worden sei.

Toronto 1965: 1. Delegierten-Konvent

Die Statutenänderungen von 1963 sahen neu die Möglichkeit eines Delegierten-Konvents vor. Bereits zwei Jahre später war die Zeit gekommen, um den ersten Delegierten-Konvent der Vereinigung abzuhalten. Statutenkonform versammelten sich neben den Vorstandsmitgliedern sechs Delegierte der Wahlkreise sowie sechs Gastdelegierte aus Nord- und Südamerika in Toronto, um dieser Versammlung beizuwohnen. Doch nicht nur die Durchführung des ersten Delegierten-Konvents kam einer Premiere gleich, sondern mit dem Konvent in Toronto trafen sich die Mund- und Fußmaler aus aller Welt auch erstmals außerhalb Europas.

Dem Präsidenten wurde die Ehre zu Teil, aufzuzeigen, dass die Vereinigung auch in den vergangenen zwei Jahren wieder gewachsen ist und die weltweite Verbreitung nochmals erweitert werden konnte. Zum Zeitpunkt des Delegierten-Konvents in Toronto gehörten 80 Mund- und Fußmaler als Vollmitglied oder Stipendiat der Vereinigung an. Dies waren 26 mehr als noch zwei Jahre zuvor in Madrid. Auch die Anzahl an Staaten konnte gesteigert werden. Mit Brasilien und Mexiko auf dem amerikanischen Kontinent sowie Indien war die VDMFK nun in 25 Ländern vertreten.

Diese stetig steigende Mitgliederzahl veranlasste den Vorstand, den Delegierten eine Erweiterung des Vorstandes vorzuschlagen, was von den Anwesenden einstimmig gut geheißen wurde. Somit wurde eine Neuwahl notwendig und erstmals in der Geschichte der Vereinigung der Vorstand erweitert. In geheimer Abstimmung wählten die Delegierten den Mundmaler Eugen Pirard aus Belgien. Somit setzte sich nach dem Delegierten-Konvent 1965 der Vorstand aus folgenden Personen zusammen: Arnulf Erich Stegmann, Präsident, Marlyse Tovae, Charles Pasche, Eugen Pirard und Rechtskonsulent Dr. Dr. Herbert Batliner.