VDMFK - Vereinigung der Mund- und Fussmalenden
Künstler in aller Welt, e. V.

Jesús MACHORRO RUÍZ

Geboren am: 28.06.1967
Geburtsort: Morelia, Michoacán, Mexico
Stipendiat der VDMFK seit: 2000
Malart: Mundmaler




Lebenslauf

Ich bin am 28. Juni 1967 in Morelia, Michoacán, in Mexiko geboren.

Ich bin der Jüngste von vier Geschwistern. Ich leide unter einer durch Gehirnlähmung ausgelösten motorischen Krankheit. Zum Zeitpunkt meiner Geburt war ich vollkommen gesund, aber da ich nicht aus dem Mutterleib kam, holte man mich mit der Geburtszange heraus und verletzte dabei den motorischen Bereich meines Kopfes. Man hielt mich bereits für tot, doch eine Krankenschwester sah, dass ich atmete, und man verabreichte mir eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Aufgrund einer Nachlässigkeit der Ärzte bin ich an diesen Stuhl gefesselt.

Als Kind brachte man mich zur Rehabilitationsbehandlung nach Mexiko-Stadt, wofür ich meinen Eltern, die nicht aufgaben, dankbar bin, denn sie mussten sehr große Opfer bringen. Ich spielte gerne Lernspiele, sah fern, und mit zunehmendem Alter gefiel es mir, Karten zu spielen (natürlich nicht um Geld).

Und später, als ich 10 Jahre alt war, wurde ich in eine Schule namens CEDUC eingeschult, wo ich vom Kind zum Jugendlichen heranwuchs.

In einer Apotheke, die meinem Vater gehörte, lernte ich auf eigene Faust nur durchs Hinhören das Rechnen, und in den Sommerferien kam eine junge Frau zu uns nach Hause, um mir das Lesen beizubringen. So verging meine Jugend. Als ich bereits 28 Jahre alt war, trat ich auf eigene Initiative dem Verein zur Förderung von Personen mit Hirnlähmungen (APAC) bei. Dort sagte man uns, als sich der 10. Mai näherte, an dem in Mexiko der Muttertag gefeiert wird, wir sollten ein Geschenk für unsere Mütter anfertigen, und ich malte mit Vinci-Farben und Zahnpasta einen Blumenstrauß. Zum Ende des Schuljahres malte ich mit Acrylfarben einen Reiher bei Sonnenuntergang und fertigte eine bunte Kugel aus Kammgarn an. Das geschah alles im Jahr 1997.

Ich begann, jemanden zu suchen, der mir dabei helfen könnte, das Papier festzuhalten und für mich die Farben zu mischen. Zum Ende des Jahres holte mich ein Freund ab, um einen Spaziergang zu machen, und fragte mich, warum ich nicht eine Ausstellung mache. Mir erschien das unmöglich, eine Ausstellung war für mich wie ein Traum, doch die Idee schlug dennoch wie eine Bombe in meinem Kopf ein, und von jenem Zeitpunkt an tat ich alles Denkbare, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Während des ganzen Monats Januar dachte ich nach, wer mir helfen könnte, ging zum Kulturzentrum, um dort um Unterstützung zu bitten, und als man mir sagte, dass es möglich sei, begann ich, jeden dritten Tag zu malen. Im April desselben Jahres sprach ich mit einer Galeriebesitzerin und zeigte ihr einige Bilder, die ihr gut gefielen. Sie sagte, im August werde sie mir Raum zur Verfügung stellen, wo ich meine erste Ausstellung machen könnte, und je näher der Tag heranrückte, desto nervöser wurde ich, denn ich wusste nicht, wie die Leute reagieren würden. Doch es war wunderbar, es gefiel ihnen gut und ich verkaufte mehrere Bilder.

1999 erzählte mir ein Freund, der im hiesigen Rosengarten in Morelia, Michoacán, tätig ist, von der Vereinigung der mund- und fußmalenden Künstler. Ich wollte mich sofort informieren, wandte mich an sie und sie forderten Bilder von mir an, begutachteten sie und meine Technik gefiel ihnen sehr. Im Jahr 2000 erhielt ich die große Nachricht meines Lebens: Ich wurde von der Vereinigung als Stipendiat aufgenommen.  Von jenem Zeitpunkt an habe ich viel Unterstützung erhalten, sowohl menschlich wie wirtschaftlich. Ich danke der Vereinigung, denn dank der Malerei habe ich mich als Mensch verwirklicht, viel erreicht und bin zufrieden. Doch vor allem danke ich Gott dafür, dass ich so bin, wie ich bin.

Im Laufe meines künstlerischen Werdegangs hatte ich 60 Einzel- und Gruppenausstellungen. Dank der Malerei habe ich verschiedene Orte der Republik Mexiko kennen gelernt, etwas, was ich mir niemals hätte vorstellen können, als ich jung war.  Ich möchte auch meinen Eltern und meinen Geschwistern für ihre Geduld und Unterstützung danken, und allen Freunden, die mich im Laufe meines Lebens unterstützt haben.

Und ich möchte allen jungen Leuten sagen, dass sie ihren Körper und ihr Leben wertschätzen sollen, sich nicht von Drogen verführen lassen und sich bei dem, was sie machen, anstrengen sollen, denn in diesem Leben ist nichts unmöglich.

Danke und viel Glück.